.....................................................................................................................................................................................................

A l l  a b o u t  R e t r i e v e r  -  working dogs & gundogs international

 

ENGLISCH Aktuelles Aktuelles

„Könnt Ihr euch vorstellen, dass sie vor fünf Jahren nur einen Labrador hatte?“
fragte Dr. Robert Kaserer im Jahr 2006 die Menschen, die beobachten konnten, wie fünf Hunde aus meinem Auto schauten…“

Ihren ersten Labrador Retriever übernahm Rita 1997 von ihrem Chef, der mit dem schwarzen Energiebündel an seine Grenzen stieß. Zu der Zeit war Rita nicht einmal bewusst, dass es sich beim Labrador um einen Jagdhund handelt. Sie hatte zuvor Hütehunde und zwei Spaniel geführt. Sie stieß bei Recherchen auf den Labrador Club, fing an zu trainieren und fand sich schon bald auf den ersten Wettkämpfen wieder. Damals war ihr Hund einer der besten Hunde in Ungarn und sie war sehr zufrieden mit ihm, bis sie erste Bekanntschaften mit deutschen und österreichischen Hunden auf Field Trials machte. Dies gab ihr einen völlig neuen Einblick..

Wir haben uns mit Rita Kökény zu einem Interview getroffen:
 

Wieviel Labradore besitzt du zur Zeit :-) ... Rüden oder Hündinnen?
Momentan habe ich sieben erwachsene Hunde (vier Hündinnen und drei Rüden) sowie drei Junghunde (allesamt Hündinnen). Einige von ihnen leben bei Freunden von mir und werden auch von ihnen geführt. Zwei meiner Hunde leben auch bei Freunden: Chance (8,5 Jahre) wird nach wie vor auf Wettkämpfen geführt und geht mit zum Picking Up, Gianna geht mit ihren 10,5 Jahren noch mit auf Jagd.

Warum nimmst du mit deinen Hunden an Wettkämpfen teil?
Zuallererst liebe ich den Wettkampf an sich. Er ist mein Hobby und hat natürlich auch soziale Komponente. Außerdem denke ich, dass man als Züchter wissen möchte, dass man seine Hunde auf einem hohen Level trainieren kann - sowohl auf Workingtests als auch auf Field Trials.
Workingtests sind mehr eine technische Herausforderung und sagen eine Menge über die Trainierbarkeit eines Hundes aus, Field Trials dagegen haben ihren Schwerpunkt auf der Sichtung der natürlichen, instinktiven Anlagen. Folglich sind beide Formen des Wettkampfes wichtig. Es bringt nichts, wenn ein Hund eine großartige, natürliche 'bird finding' Eigenschaft besitzt, diese aber durch den Hundeführer nicht kontrollierbar ist.
 


Hast du eine Präferenz für eine der beiden Wettkampftypen?
Ich bevorzuge Field Trials. Ich nehme mit allen meinen Hunden, die in der Zucht sind, an diesen teil, da ich der Meinung bin, dass Arbeitshunde, die nicht an warmem Wild geprüft wurden, nicht in die Zucht gehen sollten. Dies sagt eine Menge aus über das Nervenkostüm, den Charakter, der im Idealfall eine natürliche Ruhe und Standruhe aufweisen sollte, über Schnelligkeit und Arbeitsstil, natürlichen Findewillen, aber eben auch über unerwünschte Eigenschaften wie Winseln und hartes Maul. Ein Züchter sollte wissen, was er an seinem Hund hat, was er weitervererben möchte und was nicht.
Alle meine Hündinnen und Rüden, die in der Zucht sind, haben zuerst einen FTCH Titel erarbeitet bevor sie gedeckt wurden oder gedeckt haben. Die Zeiten haben sich aber jetzt etwas verändert, und da die Möglichkeiten, auf regelkonformen, schönen und gut gerichteten Field Trials zu starten weniger geworden sind, muss ich von dieser Linie manchmal abweichen und eine Hündin in die Zucht nehmen, bevor sie einen Titel erarbeitet hat.
 

Was hat dich dazu bewogen, Richterin zu werden?
Seltsamerweise haben mich viele Leute ermuntert, Richterin zu werden. Einer der Gründe, warum ich aufgehört habe, Seminare und Trainings zu geben. Ich bevorzuge allerdings, selber zu starten und nicht zu richten. :-)
 


Worauf achtest du beim Richten?
Ich liebe es zu sehen, wie der Hund selbstständig arbeitet, wie er seinen Arbeitsstil entfaltet, seine Eigeninitiative zeigt und dabei lenkbar bleibt, wenn sein Hundeführer eingreift. Ich möchte die Kommunikation zwischen Hund und Handler sehen, die ich für die höchste Form der Hundearbeit halte. Ich halte Ausschau nach den Teams, die sich wie zwei erfahrene Tänzer bewegen, die sich vertrauen und gegenseitig unterstützen.
 

4_rita_bearb


Warum hast du dich entschlossen, Labrador Retriever zu züchten?
Das war eine ganz persönliche Angelegenheit - ich denke, so fängt jeder Züchter einmal an. Ich mochte Gianna so sehr, dass ich einen Wurf mit ihr machen und einen Welpen von ihr behalten wollte. Heraus kam GB FTCH Blackthorn Ascella - der Stein kam ins Rollen.
 

Welche Eigenschaften hat für dich eine gute Zuchthündin?
Da gibt es keine. Jeder Hund ist anders (unterschiedlich) und kann ein Wunder an sich sein. Ich habe zwei verschiedene Zuchtlinien mit total unterschiedlichen Vorzügen - es ist eine Frage des Geschmacks, welche Charakterzüge man mehr möchte. In einer Linie mag ich die Klugheit und die angeborene Fähigkeit, geradeaus zu laufen und Führung anzunehmen. In der anderen Linie mag ich den hervorragenden und effizienten Jagdstil und das große Herz. Man kann eine Hündin haben, die von anderen „gewöhnlich“ genannt wird, in der man selbst aber „etwas“ sieht – wenn man den passenden Rüden für sie findet, dann kann man bessere Welpen bekommen als die Hündin selbst war. Ich denke, das ist die Kunst der Zucht, und unglücklicherweise kann sie nicht aus Büchern gelernt werden sondern nur durch Erfahrung. Aber ich denke, dass die besten Züchter „intuitiv“ arbeiten, nach dem sechsten Sinn.
 


Wonach wählst du den passenden Deckrüden?

Ich suche immer einen Rüden, der die Schwächen der Hündin kompensieren kann. Ich suche einen soliden Hund – nicht einen Championship Sieger, aber einen Hund, der jedes Jahr qualifiziert war (wenn möglich mit einem Amateur Hundeführer) oder in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren FT Preise hatte. Ich schaue immer mit meinen eigenen Augen, wie der Hund arbeitet – wenn nicht anders möglich, dann mit Dummies. Und wie er sich gegenüber anderen Hunden und Menschen verhält.
Ich versuche, die aktuellen Superstars unter den Rüden, die zu viel decken, zu vermeiden – sowie auch Deckrüden professioneller Hundeführer. Ein Profi kann durch gutes Training eben auch aus einem ganz normalen Hund einen Championship Gewinner machen - wenn ein Amateur jedes Jahr für das Championship qualifiziert wurde, sagt dir das etwas über einen guten Hund aus.
 

Worüber machst du dir Gedanken zum umfangreichen Thema Gesundheit?
Ich versuche selbstverständlich das Beste zu tun – so sehr, dass ich immer einen Welpen behalte. Ich möchte keine minderwertigen Hunde für mich züchten. Ich züchte immer nur mit A oder B Hüften, freien Ellbogen und Schultern als auch gesunden Augen.
Ich versuche aber, die DNA- Tests nicht überzubewerten – so werde ich nie einen guten Rüden oder eine Hündin züchterisch „wegwerfen“, nur weil er / sie Träger einer Krankheit ist. Mit Umsicht kann man brillante Welpen mit einem Krankheitsträger züchten - man kann es an GB FTCH Blackthorn Ascella sehen, die Träger von CNM ist. Jeder Wurf nach ihr ist ein Wunder.
Ein Wurf von DNA gesunden Welpen kann besser verkäuflich sein, ist aber kein Beweis für Irgendwas.
 


Worin siehst du die Chancen, aber auch die Gefahren?
Ich sehe ein sehr großes Risiko darin, dass die Züchter die Gesundheitsstatistik überbewerten. Viele fingen an zu züchten für Papiere und reine (einwandfreie) Zertifikate – und zu gleicher Zeit betrachteten sie nicht den Charakter und die Fähigkeiten der Hunde. Es ist leider einfacher, Welpen mit guten Gesundheitszertifikaten zu verkaufen als zu FTs zu gehen und zu beweisen, dass deine Hündin / dein Rüde in hohem Maße trainierbar und richtig kontaktfähig ist – und die meisten potentiellen Käufer wissen nicht, worauf sie schauen sollten.
Es gibt bessere Gelegenheiten, einen guten Deckrüden zu finden – die seriösen Züchter in England fingen an, ihre Hunde zu röntgen und viele von ihnen führen auch DNA - Tests durch. Man kann auch immer öfter gute Deckrüden in den kontinentalen Ländern finden.
 

Was hat sich aus deiner Sicht in den letzten Jahren in der Ausbildung und in der Zucht geändert?
Das Training ist so verbessert worden, das ist unglaublich! Nur die Leute können das verstehen, die bereits 10 oder mehr Jahre an Wettbewerben teilnehmen – wenn bei einem WT die Hälfte der Teilnehmer wegen Einspringens ausschieden und eine Markierung hinter eine Reihe von Bäumen nahezu eine „mission impossible“ für die meisten Open class Hunde war. Geschweige denn die 100 – 150 Meter langen Blinds, die heute mit einem „Back“ - Kommando gemeistert werden – zu der Zeit war es ein Wunder, den Hund auf diese Entfernung mit 8 – 10 Lenkungen (handlings) zu schicken. Also, das Training für WTs ist technischer geworden – das ist auch der Grund, warum ich denke, dass das Training derzeit in zwei unterschiedliche Strömungen geteilt wird; das WT- und das FT- Training. FT braucht nicht so viel technisches Können – jedoch mehr angeborene Fähigkeiten seitens des Hundes und einen hervorragenden Charakter. Zugleich haben nicht alle Menschen die Möglichkeit, mit Wild zu arbeiten – aber sie genießen es sehr, mit ihren Hunden zusammen zu arbeiten – der WT ist eine hervorragende Gelegenheit dafür!
Veränderungen in der Zucht – ich kann hierzu nicht viel sagen, ich bin nur ein Neuling auf diesem Gebiet. Was ich sehen kann ist, dass auch wir auf dem Kontinent versuchen, stattliche und gut aussehende Labbis mit besseren Knochen und Fell zu züchten, also das, was die Hunde in den frühen Arbeitslinien hatten.
 


Was zum Positiven, was zum Negativen?
Welpenfabriken und Stammbaum-Züchter sind sehr gefährlich – der einzige Weg, etwas gegen sie zu unternehmen, ist, die Kenntnisse der potentiellen Welpenkäufer zu verbessern. Der Markt regelt die Zucht – wenn dort kein Bedarf mehr an billiger, zweitklassiger Ware ist, werden die Züchter nicht in der Lage sein, solche Welpen zu verkaufen und werden gezwungen werden, auf einem höheren Niveau zu züchten für einen anspruchsvolleren Markt.
Ich denke, die ersten Anzeichen sind erkennbar – die durchschnittlichen Züchter in Deutschland und Österreich haben große Probleme mit dem Verkauf ihrer Welpen, während die Wartelisten der guten Züchter bereits ein Jahr vor dem Wurf voll sind. So scheint es, dass letztendlich Qualität belohnt wird.
Die Star - Deckrüden sind auch gefährlich – sie decken mehrmals in einem Jahr, bevor die ersten Welpen getestet werden, so können erbliche Makel vielfältig verbreitet werden.
 


Worin siehst du gravierende Unterschiede in der Zucht und bei der Ausbildung auf dem Kontinent und in England/Schottland?
Für die meisten Trainings auf dem Kontinent wird die „Versuch und Erfolg Methode“ verwendet, die für Führer, die einfach ihre Hunde lieben, besser geeignet ist. Hier leben die Hunde mit ihren Menschen als Familienmitglieder zusammen und nehmen nur als Hobby an Wettbewerben teil.
Die Hunde sind glücklich, wedeln mit der Rute wenn sie arbeiten – und vielleicht haben sie ab und zu ihre eigenen „Ideen“, die das Team nicht immer auf die ersten Plätze beim Wettbewerb bringen. Gleichzeitig glaube ich, dass diese Hunde auf ein viel höheres Niveau trainiert werden könnten, denn sie wollen aus freien Willen kooperieren.

In England / Schottland ist der normale Trainer viel härter, der Hund wird nach der „Versuch und Fehler Methode“ trainiert – der Hund wird bestraft, wenn er es nicht richtig macht, und lernt so aus seinen Fehlern. Ich möchte nicht sagen, dass es immer eine körperliche Bestrafung ist, es kann auch eine strenge Stimme sein, die für einen empfindlichen Hund ausreicht, um nicht seine wahre Persönlichkeit und seine Fähigkeiten zu zeigen - er wird zur Arbeitsmaschine. Natürlich ist nicht jeder Trainer so – einige der „modernen“ Hundetrainer sind offener für die sanften Methoden und die technisch aufgebauten Trainings. Die durchschnittlichen Trainer in England / Schottland haben jedoch weder die Absicht noch das Wissen / die Anleitung für die Abkehr von den „traditionellen“ Methoden.
 


Gibt es etwas, was du dir für die Zukunft wünschst?
Als Wettbewerberin habe ich nicht zu viele Wünsche – nachdem ich meine Hündin zum Britischen Field Trial Champion gemacht habe, als erster Hund vom Kontinent, bleibt nicht mehr viel zum Erreichen übrig. Ich möchte meine Hunde auf einem guten Niveau halten, natürlich ist man nicht immer mit so einem Genius beschenkt wie mit Ascella. So genieße ich die Siege meiner Lehrlinge und Käufer meiner Welpen. Es kann sein, dass ich aus dieser „Substanz“ in Zukunft wieder so eine züchten kann wie sie…
Als Züchterin möchte ich Welpen produzieren, die ihre Eigentümer glücklich machen, leicht zu trainieren und im Zusammenleben sind, gut aussehend und gesund.
 


Danke für das Interview... und noch was zum Schluss: Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg?
Wenn ich es wüsste, würde ich es Euch sagen. :-)

Vor allem liebe ich meine Hunde, ich genieße es, mit ihnen zu arbeiten, sie sind für mich keine Werkzeuge, sondern Freunde. Ich mag die „Kreation“ – der Erfolg ist nicht von primärer Bedeutung. Vielleicht ist das der Grund, warum er an mir kleben geblieben ist.
 

 

Impressum

Wir bedanken uns bei
Rita Kökény
Labrador Retriever Kennel “Blackthorn”
Szalafo - Ungarn

web site

 

 

 

Fragen:

Christiane Stricker, Jarka Svenka

Fotos:

Rita Kökény

Übersetzung:

Dr. Peter Svenka

Text - Korrekturen:

Maike Böhm

 

 

Urheberrecht:

Das Interview wurde exclusiv für die Info-Seite All about Retriever gegeben und ist urheberrechtlich geschützt. Ohne ausdrückliche vorherige schriftliche Genehmigung ist es nicht gestattet, diese Fotos und diesen Text oder ihre Teile zu reproduzieren, durch elektronische Speichermedien zu verbreiten oder zu verarbeiten. Personen, die Inhalte dieser Seite ohne Genehmigung veröffentlichen, werden kostenpflichtig abgemahnt und angezeigt.

 

© Oktober 2011

...................................................................................................................................................................................................::

Find us on Facebook


·  KONTAKT  ·   IMPRESSUM
 


All about Retriever - Working Dogs & Gundogs - Internatonal 
 

Fédération Cynologique Internationale