|
Gene Hill: “ Wenn ein Mensch stolz auf seinen Hund ist und es auch zeigt, mag ich ihn. Wenn sein Hund stolz auf ihn ist und dies auch zeigt, habe ich größten Respekt vor ihm. ”
“Bereits vor mehr als 10 000 Jahren wurden die als Sammler und Jäger lebenden Urmenschen auf ihren Streifzügen von `zahmen Wölfen´ begleitet. Rasch lernten sie, die natürlichen Fähigkeiten dieser Tiere zu ihrem eigenen Nutzen einzusetzen... Als im Laufe der Zeit wohl der Wunsch aufkeimte, ganz spezifische Eigenschaften der Tiere auf Dauer zu erhalten und fördern, wurde der Mensch zum Züchter. Gezielt verpaarte er nun solche `Hauswölfe´ miteinander, bei denen die von ihm gewünschten Merkmale besonders gut ausgeprägt waren.
Der Einfluss von Kreuzung und Zuchtauslese wird gerade bei der Entstehung der verschiedenen Jagdhunderassen sehr deutlich: Jedes Gelände und jedes Jagdwild erfordern ganz spezifische Jagdmethoden und deshalb auch hochspezialisierte Jagdhunde. In offenem Gelände sind schnelle Sichtjäger wie zum Beispiel Windhunde gefragt, die das Wild ausdauernd verfolgen und zu Tode hetzen können. In unübersichtlichem Gelände dagegen eignen sich wesentlich besser Hunde, die sich vornehmlich mit dem Geruchsinn orientieren. Sie unterstützen die Jäger bei seiner Arbeit, indem sie ihm beim Aufspüren des Wildes helfen oder die Beute apportieren. Zu ihnen gehören zum Beispiel Spaniels, die das Jagdwild aufstöbern, außerdem die Vorstehhunde und Setter, die es aufspüren und durch charakteristische Posen anzeigen, und schließlich die Retriever, deren Aufgabe es ist, (an)geschossenes Wild zu suchen und heranzutragen. Auffinden und herbeibringen (apportieren), ins englische übersetzt: to retrieve, sind die jagdlichen Fähigkeiten, denen die Retriever ihren Namen verdanken. Viele Jagdhunderassen sind in der Lage Wild zu apportieren, zur Perfektion herausgezüchtet wurde dieses Verhalten aber nur bei den Retrievern.
Ihre Entstehungsgeschichte, ihr äußeres Erscheinungsbild und ihre Charakterdenkmale trugen dazu bei, dass Retriever heute in sechs verschiedene Rassen untergliedert werden.
...Vor ungefähr 500 Jahren segelten Fischer aus dem süd-englischen Devon nach Neufundland, um vor der Halbinsel Avalon bei St. John´s auf Fischfang zu gehen. Mit an Bord hatten sie Hunde, die sehr gut schwimmen konnten und deren Aufgabe es war, Schiffstaue und aus den Netzen springende Fische aus dem eiskalten Wasser zu apportieren.
Anfang des 16.Jahrhunderts begannen die Fischer erste Siedlungen entlang der Küste anzulegen und Federwild zu bejagen. Nun benötigten sie einen Hund, der zudem gute jagdliche Eigenschaften besitzen musste. Da sie auf Neufundland ganz offensichtlich keine einheimische Hunde vorfanden, setzten sie ihre eigenen, aus England stammenden Tiere zur Zucht ein. Es entstand der St.John´s Hund, der gemeinsame Urahn des Labrador Retrievers, des Golden Retrievers, des Flat Coated und des Curly Coated sowie des Chesapeake Bay Retrievers...Der St.John´s Hund hatte ein ausgeglichenes und gutartiges Wesen und war ein außerordentlich guter Fährtesucher mit einer ganz vorzüglichen Nase. Er war ein ausgezeichneter und ausdauernder Schwimmer mit dichtem, kurzem und wasserabstoßendem Fell. Außerdem war er nur mittelgroß, so dass ihn die Fischer bequem in die kleinen Boote mitnehmen konnten. Erst ungefähr 250 Jahre später kamen St.John´s Hunde mit Handelsschiffen auch nach England (Poole) und Schottland (Greenock). Einige gelangten in den Besitz von Angehörigen des Landadels, die sie insbesondere wegen ihres ausgeprägten Apportiertriebes und hervorragenden Spürsinnes gerne als Jagdhunde einsetzten. Andere wurden zum Beispiel von Wildhütern übernommen, die sie nicht zuletzt wegen ihres ausgeglichenen Wesens sehr schätzten.
Die S.John´s Hunde, die bis Mitte des 19.Jahrhunders auf den britischen Kontinent gelangten, waren die Zuchtbasis für alle dort entwickelten Retrieverrassen. Aufgrund von Handelsbeschränkungen sowie eines Gesetzes, das Hunde ohne Lizenz und Quarantäne nach Großbritanien einzuführen verbot, kamen später kaum mehr St.John´s Hunde auf die Insel. ...Ende des 19.Jahrhunderts wurde damit begonnen, die Retrieverrassen zu registrieren.
...In Beschreibungen über den Jagdalltag eines Retrievers wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig das ausgeglichene Wesen und der ausgeprägte Arbeitswille dieser Hunde für ihren jagdlichen Einsatz sind. So war es in England beispielweise üblich, mehrere Hunde gleichzeitig mit auf die Jagd zu nehmen. Spaniels und Setter mussten das Wild (Fasan, Rebhuhn) zunächst aufspüren bzw. vorstehen. Währenddessen musste sich der Retriever vollkommen ruhig verhalten und durfte die Arbeit der anderen Hunde nicht beeinflussen, bzw. ablenken lassen. Auf keinen Fall durfte er `einspringen´, also ohne Kommando agieren.Er musste absolute Standruhe (`stediness´) zeigen. Erst nachdem der Jäger zum Schuss gekommen war, wurde der Retriever geschickt. Ohne z.B. vor einem Dickicht zurückzuschrecken, musste er nun selbstständig und unermüdlich das geschossene Wild suchen oder das verletzte, fliehende Tier (´runner´) über zum Teil beträchtliche Entfernungen zielstrebig verfolgen (seine Schleppspur ´ausarbeiten´), um es dann behutsam aufzunehmen, zuverlässig seinem Herrn zuzutragen und sicher in dessen Hand abzugeben.
Auch bei einer Entenjagd, bei der in kurzen Abständen mehrere Vögel angeschossen wurden, musste der Retriever lernen, erst auf Kommando zu apportieren und nicht auszubrechen, um gleich den nach dem ersten Schuss fallenden Vogel zu holen. Nur wenn er ruhig und konzentriert sitzen blieb, war er in der Lage, den Fall des Vogels richtig zu `markieren´(d.h. ihn mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen, um zu erkennen, wo er zur Erde oder ins Wasser fallen wird bzw. um sich seine Fallstelle zu merken). Nur so konnte er feststellen, ob mehrere Vögel getroffen wurden und in welcher Rheienfolge dies geschah. Es ist unbestreitbar, dass dazu außer absolutem Gehorsam eine beachtliche Gedächtnisleistung nötig ist....”
...............................................................................................................................................................................................
“...Im Jahre 1911 schlossen sich die nationalen kynologischen Dachorganisationen Hollands, Frankreichs, Österreichs und Deutschlands zur Fédération Cynologique Internationale zusammen mit dem Ziel, das Hundewesen grenzüberschreitend zu koordinieren. Heute ist die FCI der bedeutendste internationale kynologische Dachverband mit ungefähr 20 Mitgliedsstaaten. Zahlreiche weitere Hundeverbände in aller Welt sind ihr freundschaftlich verbunden, so z.B. der britische “The Kennel Club” und der “American Kennel Club”. Der nationale Dachverband für das Hundewesen in Deutschland ist der VDH (Verband für das Hundewesen e.V.), der in Dortmund ansässig ist. Die meisten deutschen Rassenhundevereine sind Mitglieder des VDH und somit international anerkannt, so auch die drei Retrieververeine Deutschlands:
- der DRC (Deutscher Retriever Club e.V.), in dem alle sechs Retrieverrassen gezüchtet und betreut werden;
- der LCD (Labrador Club Deutschland e.V.), der sich der Zucht und Betreuung des Labrador Retrievers verschrieben hat und
- der GRC (Golden Retriever Club e.V.), der ausschließlich Golden Retriever züchtet und sich um deren Belange kümmert.
DRC und LCD sind außerdem Mitglieder des Jagdgebrauchshundeverbandes (JGHV). ...Die Zielsetzung der Retrieververeine ist die Reinzucht gesunder, wesensfester und typischer Retriever und somit auch die Erhaltung und Förderung der verschiedenen Retrieverrassen als (Jagd-) Gebrauchshunde. Obwohl es unter den Züchtern Bestrebungen gibt, einerseits hochgezüchtete, hyperaktive “Arbeitsmaschinen” und andererseits Retriever nur für den Ausstellungsring und ohne jedwede jagliche Ambition hevorzubringen, ist es doch unbestritten, dass es dem Erhalt einer Hunderasse nicht förderlich ist, wenn bei der Zucht bestimmte Aspekte übertont werden. Sowohl die einseitige Hervorhebung der Leistungsfähigkeit als auch die einseitige Betonung äußerlicher Merkmale (Schönheit) bei der Zuchtwahl bergen die Gefahr, dass für die Rasse typische Wesensmerkmale verloren gehen. Nur die Erhaltung sämtlicher physischer wie psychischer Rassemerkmale der ursprünglichen Retriever stellt aber sicher, dass diese Hunde auch noch in Zukunft als friedfertige, robuste Familienhunde sowie als leistungsstarke und belastbare Gebrauchshunde einsatzfähig bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die meisten Zuchthunde Wesens-, Anlagen- und Leistungsüberprüfungen sowie Gesundheitstests, bei denen z.B. Gebiss, Gelenke und Augen untersucht werden, unterzogen. Eine Formwertbeurteilung schließlich entscheidet darüber, ob ein Retriever die Zuchtzulassungsbestimmungen der Retrieververeine bestehen kann und tatsächlich zuchttauglich ist... ...Wegen ihrer Freundlichkeit und ihres ausgeprägten Spieltriebes sind gerade Golden Retriever ganz besonders bei Kindern sehr beliebt. Ihr attraktives Äußeres, ihr weiches Fell und ihr warmherziger Gesichtsausdruck machen Golden Retriever nahezu unwiderstehlich. Der berechtigte Wunsch, mit diesen charmanten Hunden zusammenleben zu können, stieg aber leider wesentlich rascher an, als gesunde und wesensfeste Welpen aus Zuchtstätten erfahrener und verantwortungsvoller Golden-Züchter zum Kauf zur Verfügung standen. Das blieb nicht ohne negative Folgen für die Vorzüge dieser Rasse! Um die enorme Nachfrage nach Golden Retrievern zu befriedigen, kamen vermehrt Tiere zum Zuchteinsatz, deren Nachkommen weder das typische Wesen eines Goldens noch dessen robuste Gesundheit und Belastbarkeit aufwiesen. So traten häufig Hauterkrankungen und Nahrungsmittelallergien auf. Ja sogar von stark zunehmender Unverträglichkeit von Golden Retrievern mit anderen Hunden sowie von Bissigkeit und Aggressivität auch gegenüber Menschen war und ist die Rede. In unser aller Verantwortlichkeit sollte es deshalb liegen, dem typischen Golden so rasch wie möglich ein Comeback zu sichern: Wenn alle potentiellen Golden-Käufer bereit sind, seriöse Züchter ausfindig zu machen, geraume Zeit auf ihren Welpen zu warten und ihr Tier nicht als “Wegwerfware” sondern als echtes Familienmitglied zu behandeln und zu fördern, und wenn sich wieder alle Golden-Züchter auf die Retriever-Zucht als Hobby besinnen..... und sie nicht als Gewerbe betrachten, dann wird diese charmante und äußerst leistungsfähige Retrieverrasse in Zukunft erneut allen Freude machen. Denn nur erbgesunde, leistungsfähige Eltern und instinktsichere Muttertiere, außerdem arttypische Prägung sowie artgerechte Aufzuchtbedingungen seitens des Züchters und nicht zuletzt konsequente Erziehung und rassegemäße Beschäftigung durch den Hundehalter sind die Gewähr für gesunde, wesensfeste, ausgeglichen und arbeitsfähige Nachkommen... ...Kaufen Sie Ihren Hund niemals bei Tierhändlern! Lassen Sie sich von vermeintlichen “Billigangeboten” nicht ködern! Sie werden sich mit Sicherheit nicht auszahlen. Tierarzt- oder Hundepsychiaterrechnungen für kranke, vernachlässigte, falsch geprägte oder überhaupt nicht sozialisierte Hunde werden die Mehrausgaben für ein gesundes Tier aus der Zucht eines seriösen Retriever-Züchters rasch um ein Mehrfaches übersteigen...”
Aus dem Buch: Brigitte Rauth-Widmann - Retriever-Lernfreudige Partner des Menschen (ISBN 3-88627-205-2) ©1998
Hier geht es zur Welpenliste des DRC e.V.:
|